Workshop "Krisen und Konflikte" bei der Deutschen Welle in Bonn

Die Deutsche Gesellschaft für Völkerkunde (DGV), vertreten durch ihr Pressereferat, plant am 11. Februar 2009 im Funkhaus der Deutschen Welle in Bonn einen Workshop zum Thema

Krisen und Konflikte: Ethnologen als Experten für Hintergrund-Berichterstattung aus Krisenregionen

 

Wissenschaftliche Institutionen, sowohl universitäre als auch außeruniversitäre Einrichtungen sind angehalten, ihre Forschung und deren Ergebnisse verstärkt an die Öffentlichkeit zu vermitteln, um einerseits ihr Ansehen zu stärken aber auch um ihre Existenz zu rechtfertigen. Was das Fach Ethnologie und ihren Bezug zu den Medien betrifft, so lehrt uns ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus nach Frankreich, England und in die skandinavischen Länder, wie stark dieses Fach und seine Vertreter in den Medien präsent sind. In diesen Ländern finden selten Diskussionen über gesell-schaftspolitische Ereignisse statt, ohne dass mindestens ein Anthropologe (wie die Fachvertreter in diesen Ländern genannt werden) anwesend ist.

In Deutschland dagegen weiß die breite Öffentlichkeit nicht einmal, was die Ethnologie genau beinhaltet. Wenn Ethnologen in der Öffentlichkeit zu Wort kommen, dann werden sie als Experten für Exotisches und Fremdes wie Kannibalismus oder Schamanismus befragt. Fernsehsendungen und Zeitungsartikel wie „Mit dem Helikopter in die Steinzeit" führen bei Ethnologen zu Unstimmigkeiten mit den Medien. Das wenige, das von Ethnologen an die Medien vermittelt wird, hängt von der Medienar-beit und den Aktivitäten einzelner Wissenschaftler bzw. Institute ab. Fachintern wird dies zwar bedau-ert, und der Ruf nach mehr Öffentlichkeit wird auf jeder Tagung laut, aber konkret ist in diese Richtung bisher wenig geschehen.

Um dieser Situation Abhilfe zu leisten, hat sich Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde das Ziel gesetzt, die Ethnologie und ihre Vertreter stärker in die Öffentlichkeit einzubinden. Sich ernsthaft dieser Aufgabe zu stellen, bedeutet zunächst einmal zu ergründen, welche Inhalte die Ethnologen überhaupt an die Öffentlichkeit bringen können und wollen und welchen Weg sie hierzu einschlagen müssen.

Eine Antwort könnte gefunden werden im Austausch mit jenen, die die Öffentlichkeit kennen und die Politik und Inhalte der Medien schaffen und mitbestimmen.

In diesem Sinne lädt das Pressereferat der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde zu einer Diskussionsrunde zwischen Journalisten aus Printmedien, Funk und Fernsehen und Fachvertretern der Ethnologie in das Funkhaus der Deutschen Welle nach Bonn ein. Auf dem eintägigen, von der Volkswagen-Stiftung finanzierten Workshop, soll am konkreten Beispiel der „Krisenländer" Pakistan, Afghanistan und Iran, die in der Auslandsberichterstattung breiten Raum einnehmen, ein Gedanken-austausch stattfinden. Diskutiert werden gemeinsame wie auch unterschiedliche Sichtweisen auf Themen, die für Ethnologen wie für Journalisten von Interesse sind. Durch die Darstellung der jeweiligen spezifischen Perspektiven soll auch die unterschiedliche Herangehensweise, beispielsweise in Bezug auf Umgang mit Quellen und die Zusammenarbeit mit Informanten sichtbar gemacht werden.

Bei dieser Gelegenheit soll auch ein Gespräch angeregt werden über bisherige Erfahrungen von Ethnologen mit den Medien: Was sagen und schreiben Ethnologen und wie berichtet die Presse darüber. Allerdings wollen wir als Ethnologen nicht nur über das Geschriebene und Gesendete disku-tieren, sondern vielmehr von der journalistischen Praxis lernen. Gleichfalls sollen Journalisten den Beitrag ethnologischer Forschung zum Verständnis der von ihnen gesammelten Fakten und Bilder, besser einschätzen können.

Eine derartige Begegnung hat bisher in Deutschland nicht stattgefunden. Dies ist ein neuer Weg, der unseres Erachtens beschritten werden muss, um eine Öffnung und Sensibilisierung sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf journalistischer Seite herbeizuführen.

Dr. Shahnaz Nadjmabadi

Dr. Richard Kuba

(Pressereferat der DGV)

 

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