Symposium "Staatliche Institutionen und Integration: Ethnologische Perspektiven" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin

Dienstag, 30.06.2009

 

tl_files/presse/PLAKAT_dgv_berlin.jpgZu den berufsspezifischen Prämissen der Ethnologen zählt ohne Zweifel ein gewisser Kultur­relativismus, d.h. die Überzeugung, dass kulturelle Phänomene nur in ihrem eigenen Kontext zu verstehen und wertende Aussagen über andere Kulturen per se immer vor einem spezifischen eigenkulturellen Hintergrund zu sehen sind. Wo ist aber die Grenze zwischen der Ablehnung euro­zentrischer Sichtweisen und einem anything goes, zwischen einem allgemeingültigen normativen Grundkonsens und dem Respekt vor kulturspezifi­schen Eigenheiten?

In Deutschland beschäftigen sich seit länge­rem Richter mit Fragen des Kopftuchtragens, der islamischen Ehe oder der Koedukation und viele Kommunen leisten sich eigene Ämter oder wenigs­tens einen Beauftragten für Integration. Dennoch erhält Deutschland bei internationalen Vergleichen regelmäßig schlechte Noten für seine Integrations­leistung. Eine zentrale Verantwortung übernehmen hierbei staatliche Behörden und Ämter, die für Zuwanderer eine wichtige, in vielen Fällen sogar die einzige Schnittstelle zur deutschen Gesellschaft darstellen.

Auf dem eintägigen Symposium findet erstmals ein Zusammentreffen statt zwischen Ethnologen aus Lehre und Forschung und ihren in der Praxis tätigen Fachkollegen mit Vertretern staatlicher Institutionen, die sich von Amts wegen mit dem „Fremden“ in unserer Gesellschaft beschäf­tigen. Im Zentrum der Diskussionen steht die Positionierung der Ethnologie als Wissenschaft vom kulturell Fremden in konkreten Fragen der Integra­tionspolitik: in welcher Weise sind Ethnologen durch ihre Ausbildung und ihre spezifische Perspektive befähigt, zwischen etablierter administrativer Praxis und kultureller Vielfalt zu vermitteln. Lassen sich Handlungsstrategien und Kommunikations­formen entwickeln, die in Verwaltungskontexten kultureller Differenz verstärkt Beachtung schenken?
Ziel der Veranstaltung ist es, Formen einer intensiven und kontinuierlichen Zusammen­arbeit zwischen Ethnologen und staatlichen Institu­tionen in Integrationsfragen zu etablieren.
 

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Organisation:

Dr. Shahnaz Nadjmabadi
Dr. Richard Kuba

(Pressereferat der DGV)

 

Diese Veranstaltung wurde gefördert durch:

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